installation view, KASUGA (BERG ALS VERLORENES LAND)`2025, Tenri, Japanisch-Deutsche Kulturwekstatt, cologne, Kuenstlerin-Koeln

Claudia Larissa Artz, exhibition view ´Kasuga (Berg) als Verborgenes Land`, Januar 2025

„Ein Bild ist stets eine sehr persönliche Interpretation der Welt. Die subjektiven Anteile der malenden Person machen genau den Unterschied. Derselbe Apfel, zweimal gemalt – und sei es von derselben Person – sieht niemals gleich aus. In der abstrakten Malerei richtet sich die Aufmerksamkeit vom Gegenstand weg, um sich völlig diesen subjektiven und universellen Aspekten des Bildes zu widmen. Die Abstraktion ist Ausdruck eines ganzheitlichen Denkens, das sich gerade auch mit dem Unsichtbaren stark auseinandersetzt. Alle Pioniere der abstrakten Kunst wie Hilma af Klint, Wassily Kandinsky, Kasimir Malewitsch oder Piet Mondrian verbindet ein großes Interesse an der Spiritualität. Der Fokus verschiebt sich vom Gegenstand auf „Das Geistige in der Kunst“, wie es Kandinsky in seiner berühmten Schrift bereits im Titel auf den Punkt bringt.

Auch Claudia Larissa Artz begibt sich auf Spurensuche in diese innere geistige Welt. Die Intention ihrer Bilder speist sich aus dem Bedürfnis, etwas Grundsätzliches, Wesentliches und damit vielleicht auch Allgemeingültiges an die Oberfläche zu holen. Diese Art der Malerei fordert den Dialog zwischen Bild und dem Gegenüber ein – und zwar sowohl von der Malerin während der Entstehung des Bildes als auch nach seiner Fertigstellung von Seiten derer, die es betrachten. Wahrnehmung und Einfühlung öffnen den Zugang zu diesen Bildern. Es erfordert Zeit, um ihre feinstofflichen Oberflächenqualitäten kennen- und schätzen zu lernen. Die relative Zurückhaltung in der Wahl der Mittel, die sanften, oft dunklen Farbtöne, der Verzicht auf alles Laute, die Zartheit der Linien könnten als Rückzug und Distanzierungsversuch missverstanden werden. Tatsächlich entspringt diese Vorgehensweise dem Wunsch, das Bild offen zu halten, um dem Gegenüber möglichst viel Raum für die eigenen Empfindungen zu lassen. Jede Nuance, die Griffigkeit der Leinwand, stehengelassen Leerstellen im Gefüge der Pinselspuren, die Ambivalenz eines brüchigen Rasters zwischen Begrenzung und Übergang dienen der Sensibilisierung des gesamten zur Verfügung stehenden Sensoriums…..“

Sabine Elsa Müller, Auszug aus einer Reflexion zur Ausstellungseröffnung ´Kasuga (Berg) als Verborgenes Land`, Januar 2025
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