ERLÄUTERUNGSBERICHT für die künstlerische Gestaltung des Foyers- und Eingangsbereichs des Neubaus der Experimentierhalle für die Fakultät Mathematik und Naturwissenschaften Fachgruppe Physik
ORT
Mein künstlerischer Entwurf für das Foyer der Experimentierhalle besteht aus zwei malerischen Wandarbeiten, die architektonisch mit dem Neubau in Dialog treten, beziehungsweise eine zweite Haut bilden:
Der Neubau ist Süd/Südwest orientiert und die erste malerische Wandarbeit, thematisch der Elemtarteilchenphysik gewidmet, beginnt im letzten Drittel des Windfanges und geht über auf der ganzen linken Wand des Foyers. Die durchgehende Malerei auf Aluminumverbundplatten sind als Bildfries konzipiert, Höhe Unterkante 1,30 m bis knapp Unterkante Deckenlamellen.
Die Höhe Unterkante ergibt sich aus der Nutzung als öffentliches Gebäude, Schutz, und gleichzeitig um eine gewissen Entrücktheit zum Boden, zu schaffen. Das Nachmittag-und Abendlicht wird auf das Bildfries, das optisch auf der ganzen Wand in das Gebäude hineinläuft, scheinen und reflektieren und durch die Glasfassade als Ganzes von Außen erfassbar sein.
Die zweite malerische Arbeit ist auf der Wand im Foyer direkt gegenüber vom Eingang platziert und ist der Atmosphärenphysik gewidmet. Sie fügt sich ebenfalls als Fries, Unterkante 1,30, in die Architektur ein, allerdings dieses mal in Form von offenen horizontalen Bändern, die versetzt über die Fläche von der Galerie bis zur Außenfassade gespannt werden. Die Bänder bestehen aus 52 einzelnen Flächen, Maß jeweils 50 x 35 cm.
Ein Nordpfeil aus Messing, auf dem Boden im Eingangsbereich des Foyers, im Estrich eingelassen, ist auf der Perspektive eingezeichnet. Er kann als Orientierung des Standorts und als Verbindung zum Außen verstanden werden.
KONZEPT Verbindung Wissenschaft/Kunst: das Suchen, Staunen und Ordnen der Welt
Eine Verbindung von Kunst und Wissenschaft sehe ich in der „Suche“. Damit verstehe dich das Suchen nach dem, aus was die Welt ist, die Neugier und das Wissen wollen, aus was das Universum und wir gemacht sind. Die Labore und Werkstätten für die Fachgruppen der Physik, die in der Experimentierhalle geplant sind, sind vielleicht vergleichbar dem Atelier und der Werkstatt des Künstlers, und repräsentiert einen Ort der Suche nach Neuem und dem Begreifen und Verstehen der Welt. Ich arbeite als Malerin mit den Mitteln der Malerei und suche nach Möglichkeiten, die Welt für mich zu ordnen. Dabei ist das Prozesshafte, die Offenheit, die Bewegung, die Veränderung von Perspektiven entscheidend. Das Staunen über das Neue, ist der Antrieb. Diese Ansätze möchte ich mit den beiden Arbeiten, die als ein Teil der Architektur gedacht sind, versinnbildlichen.
Die Wand für die Elemtarteilchenphysik stellt einen offen Ablauf aus einem Raster, einer geometrischen Figur, die repetitiv verwendet wird und Farbe, dar. Die Elemente verbinden sich, lösen sich auf und verbinden sich neu. Verschiedene malerische Ebenen auf den Aluminiumverbundplatten formen einen Bildraum: ein warmer gemalter Silberton als Grundton, ein geometrisches Raster in Form eines Siebdruckes als Struktur, eine geometrische Form, das 6-Eck, als Grundform, aus dem sich ein Ablauf auf dem Fries ergibt. Das reflektierende Silber verändert sich durch das Licht und durch die Bewegung des Betrachters, die geometrischen Formen sind matt, so dass eine fortwährende Veränderung je nach Licht und Standort stattfindet. Das Bild erscheint nicht statisch.
Die Wand für die Atmosphärenphysik hat die Jahreszeiten in Form von Farbklimata als Thema. Als Grundlage verwende ich meine täglichen Aufzeichnungen aus dem Jahre 2022, wo ich die morgendliche Farbstimmung des Tages notiert habe. In dieser Arbeit spielt die menschliche Empfindung für die Natur und ihre Phänomene eine Rolle: 52 Kalenderwochen werden durch 52 Farbtafeln repräsentiert. Die Farben entwickeln sich durch Überlagerungen von Farbschichten, die aus Pigmenten hergestellt werden. So sind die Farben nicht absolut greifbar, sie entziehen sich einer Eindeutigkeit und sind abhängig vom Licht im Foyer. Die unterschiedlichen Farbräume veranschaulichen die jeweiligen Jahreszeit in Verbindung mit dem menschlichen Empfinden.
Beide Wandarbeiten sind für mich gleichwertig und sie stellen eine Verbindung mit Raum und Zeit dar, wo das Experimentieren, die Suche, maßgeblich ist. Mit dieser Verbindung möchte ich einen Dialog zwischen Kunst und Wissenschaft schaffen.
MATERIAL: Aluminiumverbundplatten, Acryl, Pigmente // Technik: Malerei, Siebdruck


