St. Gertrud, von dem Architekten Gottfried Böhm 1962 gebaut, gehört zur Architekturperiode des Beton Brutalismus. Brut kommt von roh, einfach. Die Einheitlichkeit des Kirchenraumes ist durch den körnigen Beton, das Material gegeben. Dunkles Holz, Bronze und der Backsteinboden fügen sich in die Architektur ein.
reflecting space I Malerei im Kirchenraum I Krypta, 2022, in St. Gertrud, Köln
Auszug aus dem Text von Dr. Peter Lodermeyer anlässlich der Ausstellung:
Die etwa sieben mal acht Meter messende Installation, die Claudia Larissa Artz mittig auf dem mit rotem Ziegelstein ausgelegten Boden der Kirche ausgebreitet hat, entstand aus einer langjährigen Vertrautheit mit dieser Architektur und zeugt von einer starken Affinität der Künstlerin zu den ästhetischen Grundprinzipien, die in St. Gertrud zur Anwendung kommen. Die Initialidee der Künstlerin bestand darin, eine Arbeit zu entwickeln, die auf die formalen Besonderheiten von St. Gertrud, insbesondere auf die komplexe Deckengestaltung mit den starken, lateral abstrahlenden, wie gefaltet wirkenden Betonelementen Bezug nimmt, und eine Struktur zu schaffen, die diese Eigenheiten in einem anderen Medium spiegelt. Bemerkenswert ist, dass Artz zunächst an eine Spiegelung im optischen Sinne dachte, an eine Installation aus Kartons, die mit Goldfolie bezogen sind. Doch diese Idee hat sie bald, aufgegeben und sich ganz auf Materialien konzentriert, mit denen sie als Malerin zutiefst vertraut ist: Papier und Farbe. Doch das Papier bekommt bei ihr über die Eigenschaft als Bildträger hinaus eine Aufwertung als plastisches Material, indem sie 155, jeweils 70 mal 50 Zentimeter messende Bögen von Aquarellpapier nach einem komplizierten, zuvor ausgearbeiteten Plan faltete, wobei sich die Faltungen nicht in genauer Nachahmung, aber doch merklich an den Fältelungen der Betondecke im Kirchenraum orientieren. So „spiegelt“ die Installation aus gefaltetem Papier die Deckenkonstruktion, indem sie dem Raumgefüge einen zweiten Pol hinzufügt und so ein Spannungsfeld zwischen Oben und Unten schafft, was den Betrachterblick zu einem ständigem Vergleich ermutigt. Das helle, fragile, leichte Material Papier dient so als ein fassliches Gegenüber zu den dunklen, schweren, massiven, physisch unerreichbaren Betonstrukturen. Der Titel „reflecting space“ lässt sich in mehrfacher Weise verstehen: Zum einen meint er die Spiegelung des Raumes, aber andererseits auch den gespiegelten Raum selbst; zudem ist „Spiegelung“ hier in einem eher strukturellen oder ästhetischen und nicht im optischen Sinne gemeint – die Reflexion ist vor allem ein gedankliches und emotionales Reflektieren über die installativ erweiterte und modifizierte Raumsituation.












